Dieses viertägige Praxislabor bildet eine vollständige digitale Untersuchung ab: von Intake und Fallstruktur über Triage, Extraktion, Suche, Timeline und Malwarebewertung bis zur Korrelation, Qualitätskontrolle und belastbaren Befunddokumentation. Die Plattform wird als integrierter Arbeitsraum genutzt.
Inhaltsübersicht
- Zielsetzung und Kompetenzziele
- Zielgruppe und Voraussetzungen
- Didaktischer Aufbau
- Seminarinhalte mit schrittweisen Praxisaufträgen
- Praxisübungen
- Methodik
Zielsetzung
Das Seminar verbindet fachliche Einordnung, geführte Demonstrationen und eigenständige Arbeit am System. Jeder Themenblock führt von der Planung über die kontrollierte Ausführung bis zur Prüfung und Dokumentation. Damit entstehen nicht nur Bedienkenntnisse, sondern reproduzierbare Arbeitsweisen für den Einsatz im DFIR-Umfeld.
Kompetenzziele
- einen vollständigen DFIR-Fall in OpenRelik strukturieren und steuern
- mehrere Worker und Workflows zielgerichtet kombinieren
- Befunde aus Dateien, Logs, Browserdaten und Binärartefakten korrelieren
- Analyseentscheidungen, Unsicherheiten und Review-Ergebnisse nachvollziehbar dokumentieren
Zielgruppe
Forensische Analysten, Incident Responder, SOC-Analysten und technische Fallleitungen, die einen vollständigen OpenRelik-gestützten Untersuchungsprozess trainieren möchten.
Voraussetzungen
Sichere Grundlagen digitaler Forensik, praktische Erfahrung mit Dateisystem- und Logartefakten sowie grundlegende Bedienkenntnisse von OpenRelik.
Didaktischer Aufbau
Vier Tage sind erforderlich, weil ein vollständiger Fall mit heterogenen Artefakten, mehreren Analysepfaden, Zwischenentscheidungen, Review-Schleifen und abschließender Befundbildung bearbeitet wird. Kürzere Formate würden wesentliche Iterationen und Qualitätskontrollen auslassen. Die Lernabschnitte bauen aufeinander auf; nach jeder Demonstration folgt eine angeleitete Umsetzung, anschließend eine eigenständige Prüfung anhand definierter Qualitätskriterien. Fehlerbilder und Grenzfälle werden bewusst einbezogen, damit Entscheidungen im späteren Betrieb nachvollziehbar bleiben.
Seminarinhalte
Modul 1: Fallannahme und Untersuchungsplanung
Der Fall beginnt mit einer unvollständigen Übergabe, die fachlich und technisch qualifiziert werden muss.
- Schritt 1: Auftrag, Fragestellung, Zeitfenster und betroffene Systeme präzisieren.
- Schritt 2: Artefaktbestand inventarisieren, Integrität prüfen und Lücken erfassen.
- Schritt 3: Analyseplan mit Prioritäten, Abhängigkeiten und Entscheidungspunkten erstellen.
Praxisauftrag: Intake und Planung des durchgängigen Laborfalls.
Modul 2: Triage und schnelle Orientierung
Frühe Triage soll Hinweise priorisieren, ohne vorschnelle Schlussfolgerungen zu erzeugen.
- Schritt 1: Dateitypen, Größen, Entropie, Zeichenketten und grobe Metadaten erfassen.
- Schritt 2: Suchbegriffe und Indikatoren aus der Fallhypothese ableiten.
- Schritt 3: Treffer nach Relevanz, Zuverlässigkeit und Folgeaufwand priorisieren.
Praxisauftrag: Erstellung einer Triage-Matrix und Auswahl vertiefter Analysepfade.
Modul 3: Extraktion und Artefaktaufbereitung
Container, Archive und Images werden kontrolliert erschlossen, damit Folgeworker geeignete Eingaben erhalten.
- Schritt 1: Extraktionsbedarf und erwartete Struktur definieren.
- Schritt 2: Ergebnisse auf Vollständigkeit, Pfadbezug und Fehler prüfen.
- Schritt 3: Relevante Teilmengen markieren und für weitere Analysen ordnen.
Praxisauftrag: Mehrstufige Extraktion mit Dokumentation der Ableitungsbeziehungen.
Modul 4: Log- und Timeline-Pfad
Ereignisprotokolle und zeitbezogene Artefakte werden normalisiert und zu einer untersuchbaren Zeitachse zusammengeführt.
- Schritt 1: Logquellen klassifizieren und Zeitbasis einschließlich Zeitzonen prüfen.
- Schritt 2: Parsing- und Timeline-Schritte ausführen und Qualitätswarnungen erfassen.
- Schritt 3: Ereignisse entlang von Konten, Hosts und Indikatoren korrelieren.
Praxisauftrag: Aufbau einer fallbezogenen Ereignisfolge mit markierten Unsicherheiten.
Modul 5: Browser- und Benutzeraktivität
Browser- und Anwendungsartefakte ergänzen die technische Timeline um Benutzerkontext.
- Schritt 1: Profile und relevante Datenbanken der richtigen Identität zuordnen.
- Schritt 2: Worker-Ergebnisse zu URLs, Konfiguration und gespeicherten Daten validieren.
- Schritt 3: Aktivitäten mit Logereignissen und Dateifunden zeitlich verbinden.
Praxisauftrag: Korrelation eines Benutzerpfads über mehrere Artefaktquellen.
Modul 6: Malware-Triage und Binärbefunde
Verdächtige Dateien werden mit statischer Triage untersucht, ohne unkontrollierte Ausführung.
- Schritt 1: Hashwerte, Dateityp, Entropie und Zeichenketten bewerten.
- Schritt 2: Fähigkeits- und Obfuskationshinweise aus geeigneten Workern prüfen.
- Schritt 3: Aussagen nach gesichertem Befund, starkem Hinweis und offener Hypothese trennen.
Praxisauftrag: Triage mehrerer Binärdateien und Priorisierung für vertiefte Analyse.
Modul 7: Workflow-Anpassung und Wiederholung
Im Verlauf ändern sich Hypothesen. Workflows werden daher kontrolliert angepasst und erneut eingesetzt.
- Schritt 1: Unzureichende oder fehlerhafte Zwischenergebnisse identifizieren.
- Schritt 2: Parameter, Reihenfolge oder Parallelisierung begründet anpassen.
- Schritt 3: Erneute Ausführung mit Versions- und Ergebnisvergleich dokumentieren.
Praxisauftrag: Optimierung eines Laborworkflows anhand realer Zwischenergebnisse.
Modul 8: Korrelation und Hypothesenprüfung
Einzelbefunde werden in einer Beweismatrix zusammengeführt und gegen alternative Erklärungen geprüft.
- Schritt 1: Befunde nach Quelle, Zeit, Identität und technischer Aktion gruppieren.
- Schritt 2: Hypothesen mit bestätigenden und widersprechenden Beobachtungen abgleichen.
- Schritt 3: Lücken, Unsicherheiten und weitere Erhebungsbedarfe explizit festhalten.
Praxisauftrag: Erstellung einer Hypothesen- und Evidenzmatrix.
Modul 9: Review und Qualitätskontrolle
Vor Freigabe werden Reproduzierbarkeit, Quellenbezug und sprachliche Trennung von Beobachtung und Bewertung kontrolliert.
- Schritt 1: Kritische Befunde stichprobenartig reproduzieren.
- Schritt 2: Artefakt-, Workflow- und Ergebnisreferenzen auf Vollständigkeit prüfen.
- Schritt 3: Review-Kommentare einarbeiten und Änderungen nachvollziehbar kennzeichnen.
Praxisauftrag: Peer-Review eines ausgewählten Analysepfads.
Modul 10: Befunddokumentation und Übergabe
Die Abschlussdokumentation verdichtet technische Details zu einer prüfbaren Aussagekette.
- Schritt 1: Zeitlinie, Kernergebnisse und Evidenzbezug strukturiert darstellen.
- Schritt 2: Unsicherheiten, Einschränkungen und nicht untersuchte Bereiche benennen.
- Schritt 3: Technische Anhänge und operative Übergabepunkte zusammenstellen.
Praxisauftrag: Erstellung und mündliche Verteidigung eines kompakten Abschlussbefunds.
Praxisübungen
- Bearbeitung eines durchgängigen Falls mit mehreren Artefaktklassen
- Aufbau und iterative Anpassung mehrerer Analyseworkflows
- Peer-Review, Evidenzmatrix und abschließende Befundpräsentation
Methodik
Kurze Fachimpulse werden unmittelbar mit Live-Demonstrationen, geführten Konfigurations- und Analyseschritten, eigenständigen Laboraufgaben sowie strukturierten Reviews verbunden. Für jede Übung werden Ausgangslage, Arbeitsschritte, erwartete Kontrollpunkte und typische Fehlerbilder festgelegt. Die verwendeten Beispiele sind so aufgebaut, dass sie als Vorlage für interne Standards, Checklisten und Testfälle weiterverwendet werden können.
Fachbereichsleitung und Trainerteam
-

Lucas Beich
Telefon: + 49 (221) 74740055
E-Mail: lucas.beich@seminar-experts.de -

Paul Goldschmidt
Telefon: + 49 (221) 74740055
E-Mail: paul.goldschmidt@seminar-experts.de
Seminardetails
| Dauer: | 4 Tage ca. 6 h/Tag, Beginn 1. Tag: 10:00 Uhr, weitere Tage 09:00 Uhr |
| Preis: |
Öffentlich oder Live Stream: € 2.396 zzgl. MwSt. Inhaus: € 6.800 zzgl. MwSt. |
| Teilnehmeranzahl: | min. 2 - max. 8 |
| Teilnehmer: | Forensische Analysten, Incident Responder, SOC-Analysten und technische Fallleitungen, die einen vollständigen OpenRelik-gestützten Untersuchungsprozess trainieren möchten. |
| Voraussetzungen: | Sichere Grundlagen digitaler Forensik, praktische Erfahrung mit Dateisystem- und Logartefakten sowie grundlegende Bedienkenntnisse von OpenRelik. |
| Standorte: | Stream Live, Inhaus/Firmenseminar, Berlin, Bremen, Darmstadt, Dresden, Erfurt, Essen, Flensburg, Frankfurt, Freiburg, Friedrichshafen, Hamburg, Hamm, Hannover, Jena, Kassel, Köln, Konstanz, Leipzig, Luxemburg, Magdeburg, Mainz, München, Münster, Nürnberg, Paderborn, Potsdam, Regensburg, Rostock, Stuttgart, Trier, Ulm, Wuppertal, Würzburg |
| Methoden: | Vortrag, Demonstrationen, praktische Übungen am System |
| Seminararten: | Öffentlich, Webinar, Inhaus, Workshop - Alle Seminare mit Trainer vor Ort, Webinar nur wenn ausdrücklich gewünscht |
| Durchführungsgarantie: | ja, ab 2 Teilnehmern |
| Sprache: | Deutsch - bei Firmenseminaren ist auch Englisch möglich |
| Seminarunterlage: | Dokumentation auf Datenträger oder als Download |
| Teilnahmezertifikat: | ja, selbstverständlich |
| Verpflegung: | Kalt- / Warmgetränke, Mittagessen (wahlweise vegetarisch) |
| Support: | 3 Anrufe im Seminarpreis enthalten |
| Barrierefreier Zugang: | an den meisten Standorten verfügbar |
| Weitere Informationen unter + 49 (221) 74740055 |
Seminartermine
Die Ergebnissliste kann durch Anklicken der Überschrift neu sortiert werden.
